Geduld, Planung & Glück

Schon mehrmals habe ich von dem DSLR-Forum in meinen Artikeln berichtet. Nun gibt es dort nicht nur den Thread „Nature Photography Making of Picture of the Day“ von Radomir Jakubowski, sondern auch einen weiteren Beitrag „Sammelthread Userbilder >> Workshop Nature Photography Making of Picture of the Day“ der daraus entstanden ist. Dort hat jeder die Möglichkeit Fotos einzustellen und Techniken & Ideen zu zeigen, die im Originalbeitrag erklärt wurden. Immer wieder wird dort über Geduld, Planung, interessanten Foto-Locations, Ideen und Tiere die einfach nicht vor der Kamera posieren wollen berichtet und diskutiert.

Im letzten Sommer habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich Tiere nicht einfach vor das Objektiv setzen, aber tatsächlich mit etwas Geduld, Planung, Glück und einfach Zeit die man in der Natur verbringt, ergeben sich immer wieder neue Möglichkeiten.

  • Interessante Foto-Location & Ideen: Seitdem ich mich seit einiger Zeit intensiver mit der Fotografie beschäftige habe ich so eine Art „Foto Auge“ entwickelt. Immer und überall halte ich Ausschau nach attraktiven Orten oder besonderen Lichtsituationen. Natürlich habe ich nicht immer meine Kamera dabei, aber wenn ich etwas gefunden habe, dass ich gerne fotografieren würde, mache ich eine kurze Notiz mit Datum, Wochentag, Uhrzeit und Ort natürlich. Eine weitere Notiz mache ich auch wenn ich eine Foto Idee habe oder ein tolles Bild in einer Zeitung sehe. Nach einiger Zeit füllt sich das Notizbuch mit vielen verschiedenen Orten und Ideen. Auf diese Weise habe ich ein gefülltes Notizbuch mit vielen Foto-Locations. In diesem Buch befand sich dann auch die Idee für einen Frosch der aus dem Wasser schaut und sich darin spiegelt. Hatte das Bild irgendwo gesehen und wollte mich daran versuchen.
  • Planung: Da ich nicht viele Objektive besitze kann ich alle in meiner Fototasche mitnehmen und dies bedarf keiner weiteren Planung. Allerdings mache ich mir bei dem Rest schon meine Gedanken und habe dann gegeben falls Regenschutz, Reflektoren, Isomatte, Handtuch, verschiedene Stative und vieles mehr dabei oder auch nicht. Außerdem gibt es immer wieder Funktionen an der Kamera die man nicht so häufig benutzt, ich habe mir also angewöhnt entsprechend meiner Planung Funktionen der Kamera die ich während des Tages nutzen möchte vorher auszuprobieren. Dann schaue ich die Wettervorhersage, überlege an welchem Wochentag ich unterwegs bin. Denn manche Plätze sind vielleicht am Wochenende Menschenleer und andere sind am Wochenende sehr viel mehr besucht als während der Woche. Falls der genaue Ort nicht feststeht, dann schaue ich mich etwas bei Google-Earth um, damit ich eine bessere Idee von der Umgebung  bekomme. Außerdem orientiere ich mich etwas an der Tageszeit und der Himmelsrichtung. Versteht mich nicht falsch, ich mache daraus keine Wissenschaft, aber ein wenig von allem hilft am Ende nicht so enttäuscht zu sein. Und immer was zum Essen dabeihaben. Für das Froschbild habe ich also meine Fahrradkarte aufgeschlagen und nach kleinen Tümpeln gesucht. Diese habe ich dann nach und mit dem Fahrrad angefahren bis ich einen geeigneten Tümpel gefunden habe. Das hat schon mal einige Stunden in Anspruch genommen. Dann habe ich den Tümpel zu verschiedenen Tageszeiten besucht und mit einem Fernglas die Wasseroberfläche abgesucht. Jetzt ist das Bild trotz Planung und eigentlich guter Location immer noch weit von dem entfernt was ich eigentlich wollte und da kommt dann die Geduld ins Spiel. Bis der Frosch am richtigen Tag am richtigen Ort sitzt…
  • Geduld: Um diese nicht zu sehr zu strapazieren hilft mir die Planung und auch die richtige Auswahl der Location. Aber trotzdem gehe ich häufig stundenlang durch den Wald oder warte darauf, dass die Wolke endlich an der Sonne vorbeizieht oder Frosch endlich in meine Richtung schaut. Aber nur weil ich gerne in der Natur bin, genieße ich die Zeit geduldig auf den richtigen Moment zu warten. Ich empfehle euch also etwas zu fotografieren das euch Spaß macht.
  • Tiere die einfach nicht vor der Kamera posieren wollen: Tja, das ist eben sehr eng mit der Geduld verknüpft, aber auch hier hilft eben eine gute Planung. Das Fluchtverhalten von Tieren kennen, Brutzeiten beachten, Naturschutzgebiete schützen, den Lebensraum erkennen… und Zeit! Umso öfter ich mich in einem Gebiet bewege desto mehr Dinge fallen mir auf. Tiere werden zutraulicher wenn man immer wieder an demselben Platz liegt oder auch lange an demselben Platz verharrt. Ich selber habe noch nicht angefüttert, obwohl ich darüber gerade bei meinen Erfahrungen bei der Vogelfotografie (Störche und Graureiher) nachgedacht habe. Typischerweise sieht mein „Platz“ irgendwie so aus wenn ich Wasservögel fotografiere:
    An diesem Tag war ich nicht sehr erfolgreich, eigentlich wollte ich zwei Nilgänse fotografieren, aber sie waren zu weit entfernt und von meinem Liegeplatz immer hinter irgendeinem Schilf verschwunden. Und das Beste Foto von dem Tag ist dieses:
  • Viel Glück!

Vogelfotografie – Der Storch

Anders als bei Pflanzen, fliegen Vögel einfach davon wenn man ihnen zu nahe kommt. Ich musste also lernen, das wenn ich Vögel fotografieren möchte, ich oft nicht die Möglichkeit habe ein paar Testaufnahmen zu machen, die Kamera auf dem Stativ ordentlich auszurichten, die Position oder die Belichtung nach den eigenen Vorstellungen zu verändern und zu warten bis die Sonne wieder hinter den Wolken hervorkommt. Stattdessen muss ich oft schnell reagieren und habe oft nur wenige Sekunden für den richtigen Moment.

Glücklicherweise gibt es in meiner näheren Umgebung ein Feuchtbiotop in dem viele Störche und Graureiher leben. Dadurch ist mein Anfahrtsweg kurz und ich habe die maximale Zeit zum Fotografieren zur Verfügung. Dort habe ich versucht mich den Vögeln zu nähern. Da ich maximal nur eine 300mm Brennweite zur Verfügung habe muss ich ganz schön nah ran. Auch wenn ich im Internet lese, das die Fluchtdistanz bei Störchen gering ist und teilweise unter 50m liegt, schaffe ich es selten näher als 100m an die Vögel heranzukommen. Zusätzlich ist die Bewegungsfreiheit ja auch dadurch eingeschränkt, dass ich mich in einem Naturschutzgebiet bewege und deswegen nur auf den vorgesehenen Wegen bleibe.

Obwohl ich das Gebiet jetzt schon mehrmals besucht habe konnte ich noch keine richtig guten Fotos machen.

Naja, beim Wegfliegen ergibt sich hier und da die Möglichkeit, da die Vögel dann etwas dichter an mir vorbeifliegen. Allerdings muss man seine Kamera gut kennen um gegebenenfalls schnell Einstellungen zu verändern.

Was habe ich an den vielen Tagen gelernt?

Um das perfekte Bild zu bekommen besuche den Ort mehrmals. Optimiere den Standort, aber bewege dich auf den Wegen im Naturschutzgebiet. Eine Brennweite von 400mm an einem APS-C Sensor erleichtert die Vogelfotografie sehr. Beim Fotografieren gibt es viele Faktoren die ich nicht beeinflussen kann und die Vögel fliegen weg. Und darum brauche ich dafür sehr, sehr viel Geduld.